|
Akutgeriatrie
|
Geriatrisches
Assessment
Unter
einem Geriatrischen Assessment versteht man die umfassende, multidimensionale
Bestandsaufnahme von Daten, die es erlauben, den Zustand des älteren
Patienten aus physischer, psychischer und sozialer Hinsicht näher
zu beleuchten.
Neben Anamnese, körperlicher Untersuchung und problemorientierter
apparativer Untersuchungen kommen verschiedene standardisierte Tests
zur Anwendung, mit denen funktionelle Einschränkungen gemessen
werden können. Therapeuten, Neuropsychologen, Ärzte und
Pflegepersonal sind als Geriatrisches Team in die
Erstellung des Assessments eingebunden (interdisziplinär).
Das Assessment bildet die Basis für die Therapieplanung. In
den folgenden Abschnitten finden sich wesentliche Dimensionen sowie
eine Auswahl zugehöriger Funktionstests des Basisassessments.
Je nach Fragestellung steht eine umfangreiche Sammlung ergänzender
Verfahren zur Verfügung. |
Steht
Ihnen kein Programm zum Lesen von PDF-Dateien zur Verfügung,
können Sie hier kostenlos den "AdobeAcrobat
Reader" herunterladen. |
| Soziales
Assessment |
| Erfassung der
sozialen Situation: Wirtschaftliche Lage, soziale Einbindung, Wohnsituation,
soziale Aktivitäten, soziale Unterstützung, soziale Belastungen. |
| Funktionelles
Assessment |
Aktivitäten
des täglichen Lebens (Activities of Daily Living = ADL =
Barthel-Index):
Die Erfassung der Aktivitäten des täglichen Lebens bei
der Erstuntersuchung und im Verlauf ist eine der wichtigsten diagnostischen
Maßnahmen bei geriatrischen Patienten. Dabei werden die
im Alltag wesentlichen Aktivitäten wie Essen, Baden, Waschen,
An- und Auskleiden, Stuhlkontrolle, Urinkontrolle, Toilettenbenutzung,
Bett-Stuhltransfer, Gehen und Treppensteigen nach dem Grad der
Selbständigkeit erfasst. Formular
zum Ausdrucken (PDF)
Instrumentelle Aktivitäten des täglichen Lebens
(IADL): Ermittlung der vorhandenen Selbständigkeit
in notwendigen Verrichtungen im Haushalt (z.B. Kochen, Einkaufen,
Telefonieren).
Formular zum Ausdrucken (PDF)
|
| Assessment
der Mobilität und des Sturzrisikos |
Handkraft:
Messung mittels Dynamometer an der dominanten Hand. Normwerte: Frauen
> 190 N (75 kPa), Männer ? > 330 N (130 kPa).
Balancetest:
Überprüfung der Balance im Tandemstand (beide Füße
stehen in einer Linie hintereinander) über mindestens 10 Sek.
mit offenen Augen.
Einbeinstand:
Pathologisch, wenn > 5 Sek. nicht möglich sind (3 Versuche
sind erlaubt).
Timed-Up-And-Go-Test:
Es handelt sich dabei um einen einfachen und schnell durchführbaren
Test zur orientierenden Beurteilung der Mobilität. Der Patient
wird aufgefordert, aus einem Stuhl aufzustehen, zu einem ca. 3 m
entfernten Ziel zu gehen, sich umzudrehen, zurückzulaufen und
dann wieder hinzusetzen. Dabei wird die insgesamt benötigte
Zeit gemessen: Mehr als 20 Sekunden gelten als grenzwertig, mehr
als 30 Sekunden als pathologisch.
Motilitätstest (nach Tinetti):
Der Motilitätstest nach Tinetti besteht aus mehreren standardisierten
Handlungen, mit denen Gleichgewicht und Gehen überprüft
wird. Werden dabei weniger als 20 Punkte erreicht, besteht eine
erhöhte Sturzgefährdung. Formular
zum Ausdrucken (PDF) |
| Kognitives
Assessment |
Uhrergänzungstest:
Einfacher orientierender Screening-Test für Hirnleistungsstörungen.
In einen Kreis mit etwa 10 cm Durchmesser sollen die 12 Ziffern
einer Uhr an die richtige Position geschrieben werden.
Formulare zum Ausdrucken (PDF): Test,
Erläuterungen. |
Mini-Mental-Status
(MMS nach Folstein et al.):
Der MMS ist ein gut standardisierter Kurztest bei der Demenzdiagnostik.
Dabei werden die Bereiche Orientierung, Merkfähigkeit, Aufmerksamkeit,
Konzentration, Erinnerungsfähigkeit und Sprachverständnis
geprüft. Er erlaubt die Verdachtsdiagnose beginnende (< 24
Punkte) oder wahrscheinliche Demenz (< 20 Punkte). Zur Einteilung
in unterschiedliche Demenzgrade ist der Test zu ungenau. Formular
zum Ausdrucken (PDF): Seite
1, Seite 2. |
Demtect:
(nach Kessler und Calabrese):
Dieser Test besteht aus fünf Untertests und überprüft
Merkfähigkeit, Aufmerksamkeit, Konzentration, Erinnerungsfähigkeit
und Sprachverständnis. Je nach Gesamtergebnis wird zwischen
altersgemäßer Leistung, leichter kognitiver Beeinträchtigung
und Demenz-Verdacht unterschieden. Im Gegensatz zum MMS auch bei
leichter kognitiver Störung geeignet. Formular zum Ausdrucken
(PDF): Test, Rückseite
für schwer Sehbehinderte.
|
| Emotionales
Assessment |
Geriatrische
Depressionsskala (GDS nach Yesavage et al.):
Dieser Test besteht aus 15 Fragen, die Auskunft über die Antriebs-
und Stimmungslage des Patienten geben. Die Patienten können
den Bogen selbst ausfüllen. Bei kognitiven Störungen ist
der GDS nicht verwertbar. Er erlaubt die Verdachtsdiagnose wahrscheinliche
(> 5 Punkte) oder wahrscheinlich ausgeprägte Depression
(> 10 Punkte). 5 und weniger Punkte gelten als Normalbefund.
Formular zum Ausdrucken (PDF)
|
| Nutritives
Assessment |
|
| Assessment
der Hör- und Sehfähigkeit |
Screening
mittels Flüstertest, Visusprüfung mit Sehprobentafel sowie
orientierender Gesichtsfeldprüfung (Fingerperimetrie). Je nach
Befund ergänzende fachärztliche Untersuchung. |
Seitenanfang
Literatur:
Bassey EJ, Harries UJ.
Normal values for handgrip strength in 920 men and women aged over 65
years, and longitudinal changes over 4 years in 620 survivors. Clin Sci
(Lond). 1993 Mar;84(3):331-7.
Cooper C, Barker DJ, Wickham C.
Physical activity, muscle strength, and calcium intake in fracture of
the proximal femur in Britain.
BMJ. 1988 Dec 3;297(6661):1443-6.
Folstein MF, Folstein SE, McHugh PR.
"Mini-mental state". A practical method for grading the cognitive
state of patients for the clinician.
J Psychiatr Res. 1975 Nov;12(3):189-98.
Katz S, Ford AB, Moskowitz RW, Jackson BA, Jaffe MW.
Studies of illness in the aged. The index of ADL: A standardized measure
of biological
and psychosocial function. JAMA. 1963 Sep 21;185:914-9.
Mahoney FI, Barthel DW.
Functional Evaluation: The Barthel Index.
Md State Med J. 1965 Feb;14:61-5.
Podsiadlo D, Richardson S.
The timed "Up & Go": a test of basic functional mobility
for frail elderly persons.
J Am Geriatr Soc. 1991 Feb;39(2):142-8.
Tinetti ME.
Performance-oriented assessment of mobility problems in elderly patients.
J Am Geriatr Soc. 1986 Feb;34(2):119-26.
Watson YI, Arfken CL, Birge SJ.
Clock completion: an objective screening test for dementia.
J Am Geriatr Soc. 1993 Nov;41(11):1235-40.
Yesavage JA, Brink TL, Rose TL, Lum O, Huang V, Adey M, Leirer VO.
Development and validation of a geriatric depression screening scale:
a preliminary report.
J Psychiatr Res. 1982-83;17(1):37-49.
Seitenanfang
|
|