Aktuelles:

Tropen- und Reisemedizin

 

Informationen zu Malaria

Malaria ist weltweit eine der häufigsten Erkrankungen überhaupt. In feuchtwarmen Klimazonen sterben an ihr jährlich 2-3 Millionen Menschen. Durch den Ferntourismus in tropische/subtropische Länder treten auch in Deutschland bis zu 1000 Malariaerkrankungen pro Jahr auf.

Malaria kommt vor in Afrika südlich der Sahara, in Süd-Ost-Asien, in Papua Neuguinea, auf Vanuatu und auf den Solomonen, in Haiti und der Dominikanischen Republik sowie in Zentral- und Südamerika. Großstädte in Asien und Südamerika sind in der Regel malariafrei, Großstädte in Afrika, Indien und Pakistan sind oft malariagefährdet. Bei Höhen über 2000 m besteht in der Regel kein oder nur ein geringes Malaria-Risiko.

Vier verschiedene von Moskitos übertragene Malariaarten sind bekannt, wobei die gefährlichste Form der Malaria (Malaria tropica) durch Plasmodium falciparum verursacht wird. Ein Malariaerkrankter kann einen anderen Menschen nicht infizieren, außer über gemeinsamen Gebrauch nichtdesinfizierter Spritzen und Kanülen.

Malaria und ihre Symptome

Malaria ist eine ernste Erkrankung. Obwohl vier verschiedene Malariaparasiten vorkommen, die den Menschen infizieren und eine Malaria verursachen können, ist nur die Malaria tropica potentiell lebensbedrohlich. Die anderen Malariaformen wie Malaria tertiana (verursacht durch Plasmodium vivax oder Plasmodium ovale) und die Malaria quartana (verursacht durch Plasmodium malariae) sind nicht lebensbedrohlich.

Die Symptome einer Malaria ähneln einer Grippe: Fieber, Frösteln, Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, gelegentlich Erbrechen, Durchfall und Husten. Patienten mit schwerer Malaria tropica können Leber- und Nierenversagen entwickeln, Krampfanfälle und Koma können auftreten. Obwohl Infektionen mit Plasmodium vivax und Plasmodium ovale weniger schwere Erkrankungen hervorrufen, können diese Parasiten mehrere Monate bis Jahre in der Leber verbleiben, so daß Monate bis Jahre später noch Malariaanfälle auftreten können.

Anfänglich können die Symptome milde sein. Malaria sollte immer in Betracht gezogen werden, wenn ein Reisender mindestens 7 Tage nach Expositionsbeginn (Mückenstich) Fieber bzw. eines der oben genannten Symptome hat. Bis zu einem Jahr nach Expositionsende (Rückkehr) muß bei den genannten Symptomen an eine Malaria tropica gedacht werden. Eine Malaria tertiana oder Malaria quartana kann aber noch mehrere Jahre nach Rückkehr aus einem Malariagebiet auftreten.

Wenn der Verdacht auf Malaria besteht, muß umgehend ein Arzt aufgesucht werden, der eine sofortige Blutuntersuchung auf Parasiten (nicht Antikörper!) veranlaßt. In Deutschland sterben etwa 3% der Patienten mit Malaria tropica, vorwiegend wegen zu später Behandlung.

Seitenanfang

 
Eine sofortige Behandlung einer
Malaria tropica ist lebensrettend!
 

Schutz gegen Malaria

Ein Impfstoff gegen Malaria existiert noch nicht. Reisende können sich jedoch durch Maßnahmen schützen, die vor Moskitostichen schützen, sowie durch vorbeugende Einnahme von Malariamedikamenten.

Vermeidung von Moskitostichen

Der beste Schutz vor einer Malaria ist, Moskitostiche zu vermeiden. Ohne vorausgegangenen Moskitostich keine Malaria! Malariaparasiten übertragende Moskitos stechen in der Regel zwischen Abend- und Morgendämmerung.

Schutz vor Moskitostichen

Verwendung eines Moskitonetzes über dem Bett (bei laufender Klimaanlage nicht notwendig). Als zusätzlicher Schutz kann das Moskitonetz mit dem Insektizid Permethrin getränkt werden (Anleitung streng beachten!).
Tragen von langärmeliger Kleidung, langen Hosen und Socken.
Anwendung von Repellentien (mückenabweisende Mittel) auf der exponierten Haut. Häufig wird DEET (z.B. Nobite®-Haut) oder Bayrepel (z.B. Autan®) eingesetzt.
weitere Schutzmaßnahmen können sein:
Einsprühen der Kleidung mit Insektiziden (Permethrin; z.B. Nobite®-Kleidung), da Moskitos auch durch dünne Kleidung hindurch stechen können.
Versprühen von Permethrin oder einem ähnlichen Insektizid im Schlafraum.
Anmerkung: Vitamin B und Ultraschallgeräte zum Mückenvertreiben schützen nicht vor Moskitostichen!

Seitenanfang

Vorbeugende Einnahme von Medikamenten

Reisende in Malariagebiete sollten ihre Reisepläne rechtzeitig vor der Abreise mit einem reisemedizinisch erfahrenen Arzt (z.B. Tropenmediziner, Reisemediziner, Infektionsepidemiologe) diskutieren.

Tropenreisende erhalten in ihren Heimatländern oft verschiedene Empfehlungen. Diese spiegeln häufig die unterschiedliche Verfügbarkeit bestimmter Malariamedikamente wieder. So ist z.B. Proguanil in den USA, im Gegensatz zu Europa, nicht erhältlich.

Reisende, die nur Großstädte (gilt nicht für das tropische Afrika und Indien) oder ländliche Regionen besuchen, in denen kein Malariarisiko besteht, brauchen prophylaktisch keine Malariamedikamente einzunehmen. Nur bei Vorliegen der detaillierten Reisepläne ist auch eine Entscheidung möglich, wie eine Malariaprophylaxe gestaltet werden muß.

Die genauen Dosierungen der Medikamente zur Malariaprophylaxe entnehmen Sie bitte unseren aktuellen Merkblättern: Standard-Empfehlung für die Malaria-Prophylaxe bei Erwachsenen und Kindern. Richten Sie sich bitte immer nach den aktuellen Merkblättern, da sich bei den Empfehlungen je nach Resistenz- und Medikamenteneentwicklung kurzfristige Änderungen ergeben können.

Für eine wirksame medikamentöse Prophylaxe ist es ganz wichtig, die empfohlenen Dosierungen und Einnahmezeiten strikt einzuhalten, um immer einen ausreichend wirsamen Medikamentenspiegel im Blut aufrechtzuerhalten. Zur besseren Verträglichkeit sollten die Medikamente nach den Mahlzeiten eingenommen werden.

Auch nach Rückkehr aus einem Malariagebiet müssen die Malariamedikamente noch konsequent vier Wochen weiter eingenommen werden.

Seitenanfang

Medikamentenresistenz

Die Auswahl geeigneter Malariamedikamente wird durch das Auftreten von Medikamentenresistenten Malariaerregern immer schwieriger. Welche Medikamente zur Vorbeugung oder ggf. zur Notfallbehandlung ("stand-by"-Medikament) für Sie in Frage kommen, sollten Sie daher mit Ihrem Arzt besprechen.

Nebenwirkungen von Malariamedikamenten

Alle Medikamente können geringere oder auch stärkere Nebenwirkungen haben; sollte eine schwere Nebenwirkung auftreten, muß der Reisende ärztliche Hilfe aufsuchen und die medikamentöse Malariaprophylaxe absetzen.

Leichte Übelkeit, gelegentliches Erbrechen, leichte Durchfälle sind kein Grund, eine medikamentöse Prophylaxe abzusetzen! Die Gefährlichkeit (Lebensgefahr!) einer Malaria tropica rechtfertigt die Tolerierung vorübergehender leichter Nebenwirkungen.

Selbstbehandlung

Als Selbstbehandlungsmedikament ("stand-by"-Medikament) bei Fieber und Grippe-ähnlichen Symptomen während einer Reise in Malariagebieten ohne Erreichbarkeit medizinischer Hilfe kann derzeit Mefloquin (Lariam®), Atovaquon+Proguanil (Malarone®) oder Artemether+Lumefantrin (Riamet®) eingesetzt werden. Dies ist nur eine Notfallmaßnahme. Eine medizinische Einrichtung muß trotzdem so bald wie möglich aufgesucht werden. Reisende, die erst nach ihrer Reise erkranken, sollen sich nie selbst behandeln, sondern sofort einen Arzt aufsuchen und ihn über die zurückliegende(n) Reise(n) informieren. Bestehen Sie darauf, daß eine Untersuchung auf Malariaparasiten im Blut von einer tropenmedizinisch erfahrenen Einrichtung durchgeführt wird. Das Ergebnis dieser Untersuchung liegt in spätestens 1-2 Stunden vor. Eine Antikörperuntersuchung bei dringendem Verdacht auf Malaria ist zur Feststellung einer Malaria ungeeignet! .

Übertragung

Malariaerreger werden durch weibliche Stechmücken der Gattung Anopheles während der Dämmerung und nachts bis zum Morgengrauen während des Blutsaugens übertragen. Anophelen halten sich meist in der Nähe ihrer Brutplätze am Wasser auf (in Seen, Tümpeln, Pfützen, Regentonnen, Bewässserungsgräben, Sümpfen, an Flußufern), stechen aber vorwiegend in Innenräumen.

Seitenanfang

Infektionsweg und Entwicklungszyklus des Malariaparasiten

Die Infektionserreger (Plasmodien) sind mikroskopisch kleine Parasiten, die von infizierten Anopheles-Stechmücken durch einen Stich in den menschlichen Körper übertragen werden. Die Parasiten gelangen in die Leber, wo sie sich vermehren. Von hier aus gelangen die Parasiten in die roten Blutkörperchen, in denen es erneut zur Vermehrung kommt. Die roten Blutkörperchen werden hierdurch zerstört, und die freigesetzten Malariaparasiten können dann weitere rote Blutkörperchen befallen. Hierdurch kommt es zu Fieberanfällen und zu einer Blutarmut (Anaemie). Bei den Erregern einer Malaria tertiana können Ruheformen der Parasiten mehrere Jahre in der Leber verweilen und zu Spätanfällen führen.

Leseempfehlung zur Reisevorbereitung

Allgemeine Empfehlung für die Malaria-Prophylaxe und -Selbsttherapie bei Erwachsenen erhältlich in der Impfsprechstunde (kostenlos) oder als PDF-Datei
Allgemeine Empfehlung für die Malaria-Prophylaxe und -Selbsttherapie bei Kindern
erhältlich in der Impfsprechstunde (kostenlos) oder als PDF-Datei

Informationsschrift Nr. 23 - Ratschläge zur Erhaltung der Gesundheit in tropischen und subtropischen Ländern. Zusammengestellt von H. Kretschmer, P.C. Döller, R. Bialek, B. Schüle. Erhältlich in der Impfsprechstunde (2,60 €).
Informationen über Impfungen bei Auslandsreisen. Erhältlich in der Impfsprechstunde (kostenlos).

 

Seitenanfang