Von Meike Joa
Über
den Dächern von Tübingen liegt die Tropenklinik
Paul-Lechler-Krankenhaus. Umgeben von einer Parkanlage
empfängt die Klinik ihre Patientinnen und Patienten mit
einem Eingangsbereich in warmen Farben. Das Mosaik „Der
barmherzige Samariter" zeigt das Zentrum der Arbeit:
den Dienst an Kranken. |
Die Klinik, 1916 als Tropengenesungsheim für rückkehrende
Missionarinnen und Missionare vom Träger Deutsches Institut
für Ärztliche Mission (Difäm) gegründet,
versteht sich heute als christliches Fachkrankenhaus für
Tropen- und Reisemedizin, Innere Medizin, Geriatrie und Palliativmedizin.
Kranke werden nicht nur medizinisch nach neuesten Standards
versorgt, sondern auch auf das Leben nach dem Klinikaufenthalt
vorbereitet.
Dem christlichen Leitbild
verpflichtet
Die christliche Tradition des Krankenhauses
ist auch heute von großer Bedeutung. Chefarzt Dr. med.
Johannes-Martin Hahn erklärt: „Viele Mitarbeitende
sehen sich dem christlichen Leitbild verpflichtet. Auch wenn
die Rahmenbedingungen mit Einführung der Fallpauschalenabrechnung
schwieriger geworden sind, spielt die Zuwendung zur Patientin
und zum Patienten bei Arztinnen und Ärzten sowie Pflegenden
eine wichtige Rolle. Dies spiegelt sich auch in der Pflegequalität
wider. Unser Verständnis von Gesundheit und Krankheit
schließt neben dem körperlichen Befinden auch psychische,
soziale und religiöse Dimensionen mit ein."
Die Krankenhausseelsorge nimmt einen großen Stellenwert
ein. Darüber hinaus bietet die Klinik allen im Haus die
Möglichkeit der Teilnahme am sonntäglichen Gottesdienst
und die Mitarbeitenden können, wenn sie möchten,
den Tag gemeinsam mit einer ökumenischen Andacht beginnen.
In der tropenmedizinischen Abteilung des Paul Lechler-Krankenhauses
werden jährlich mehr als 3000 Menschen betreut. Die Aufgabengebiete
umfassen neben Untersuchungen vor und nach Auslandsaufenthalt
die ambulante und stationäre Diagnostik und Therapie
von Tropenkrankheiten sowie Impfungen und berufsgenossenschaftliche
Anfragen.
Die Tropenambulanz
In der Tropenambulanz warten die Schneiders
auf ihre Untersuchung. Mutter Ulrike berichtet: „Wir
sind vor drei Wochen aus Indonesien zurückgekehrt, wo
wir sieben Jahre gelebt haben. In der Klinik lassen wir uns
jetzt durchchecken. Wir fühlen uns zwar gut, aber man
weiß ja nie, ob man nicht doch eine versteckte Krankheit
hat." Die fünfköpflge Familie ist bereits das
dritte Mal hier. Auch vor der Ausreise und während eines
Urlaubsaufenthaltes haben sie sich hier kompetent beraten
und untersuchen lassen. Jetzt ist der 16-jährige Philipp
an der Reihe. Tropenmediziner Dr. Johannes Schäfer nimmt
bei Philipp Blut ab, der es tapfer über sich ergehen
lässt. Zu einer Routineuntersuchung gehören neben
der körperlichen Untersuchung auch Blut-, Stuhl-und Urinuntersuchungen
und ein ausführliches Gespräch über die Arbeits-
und Lebensumstände. Solche Routine-Check-ups machen etwa
die Hälfte der Arbeit in dieser Abteilung aus.
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Schäfer
erklärt: „Häufige Beschwerden der Rückkehrenden
aus tropischen Ländern sind Fieber-, Durchfall- und Hauterkrankungen.
Sorgen bereitet uns nach wie vor die Malaria. Auch das Dengue-Fieber,
eine durch Steckmücken übertragene Viruserkrankung,
hat insgesamt an Bedeutung zugenommen. In den letzten Jahren
ist es zu einer spürbaren Zunahme der Fälle gekommen."
Von Vorteil für die Diagnostik infektiöser Erkrankungen
ist das hauseigene Labor. Dort können parasitologische,
mikrobiologische und serologische Untersuchungen durchgerührt
werden. Mikrobiologe Dr. Dr. Peter Döller weist darauf
hin, dass eine frühe Diagnose besonders bei lebensbedrohlichen
infektiösen Erkrankungen einschließlich Malaria
sehr wichtig ist. „Täglich werden dem Hospital
auch von Arztpraxen und Krankenhäusern Proben zur raschen
Abklärung zugesandt."
Eine große Zahl von Reisenden lässt sich in der
reisemedizinischen Ambulanz hinsichtlich Impfungen, Malariaprophylaxe
und sonstigen Vorsorgemaßnahmen beraten. Gerade für
Entwicklungshelfer, die demnächst ausreisen werden, ist
die Tropenklinik erste Anlaufstelle. Viele verbinden den Besuch
in der Tropenambulanz mit einer Beratung im Difäm, der
Difäm-Arzneimittelhilfe oder mit einem Abstecher in den
Difam-Leseraum. |
Tapfer lässt Philipp sich von Dr. Johannes Schäfer
Blut abnehmen
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Die Innere Medizin
Alle wichtigen Methoden der stationären
allgemeinen internistischen Versorgung sind in dem 101 Betten
zählenden Hospital verfügbar. Chefarzt Johannes-Martin
Hahn betont: „Uns liegt eine gute internistische Behandlung
vor allem von Kranken in der zweiten Lebenshälfte am
Herzen. Moderne Verfahren beispielsweise in der Ultraschalltechnik
und Endoskopie gewährleisten eine best mögliche
medizinische Diagnostik." Schwerpunkte der Inneren Medizin
bilden die Diabetologie, Palliativmedizin und Geriatrie einschließlich
der interdisziplinären rehabilitativen Behandlung von
Schlagan-fallbetroffenen.
Die rüstige 92-jährige Erna Riecker (Name geändert)
wird seit einigen Tagen in der Klinik von Oberarzt Dr. Heiner
Glöser und seinem Team betreut. „Ich bin wegen
Schmerzen im Kreuz und Bauch sowie Müdigkeit zu meinem
Hausarzt gegangen", erzählt sie. Glöser erläutert:
„Viele Patientinnen und Patienten werden von ihren Hausärzten
wegen unklarer Abgeschlagenheit hierher geschickt, um sie
durchuntersuchen zu lassen. Es kann zum Beispiel auf eine
Herzerkrankung, Kreislauferkrankung, eine Schilddrüsenüberfunktion
oder einen Tumor im Magen--Darm-Bereich hinweisen. „Bei
Frau Riecker haben wir beginnenden Darmkrebs festgestellt,
daher wird sie zur Entfernung des Tumors baldmöglichst
in die Chirurgie verlegt." |
Dr. Heiner Glöser untersucht die 92-jährige
Erna Riecker |
Das Isolierzimmer
Szenenwechsel: Dr. Glöser betritt mit Schutzkleidung,
Mundschutz, Haube und Gummihandschuhen eines von drei Isolierzimmern
der Klinik. Die 40-jährige Patientin wurde gestern mit
hohem Fieber in die Klinik eingeliefert. Sie hat offene Lungentuberkulose,
die sich durch Tröpfcheninfektion, zum Beispiel durch
Husten, übertragen kann. Die Kranke ist ziemlich schwach
und erhält Nährstoff-Infusionen und Tuberkulostatika:
„Ich fühlte mich schon seit drei Wochen angeschlagen,
aber erst als ich nicht mehr aufstehen konnte, ging ich zum
Arzt, der mich kurze Zeit später ins Krankenhaus einwies.
Bei der Röntgenuntersuchung wurde TB festgestellt."
Glöser: „Die Patientin ist noch in der ansteckenden
Phase und muss deshalb noch mindestens zwei Wochen isoliert
werden."
Dr. Johannes-Martin Hahn betont, wie wichtig die ganzheitliche
Behandlung der Kranken ist. Daher erfolgt die Betreuung durch
ein interdisziplinäres therapeutisches Team aus Fachkräften
aus ärztlichem Dienst, der Krankenpflege, Physio- und
Ergotherapie, Logopädie, Seelsorge sowie dem Sozial-
und Psychologischen Dienst. Das Team trifft sich wöchentlich
und ermöglicht eine umfassende Zuwendung, die die Auswirkungen
der Erkrankung und die Funktionseinschränkungen auf alle
Bereiche des Lebens berücksichtigt. Hier wird intensiv
besprochen, was die beste Behandlung für die Kranken
ist, ob sie Ergo- und Physiotherapie oder psychologische Betreuung
oder nach der Entlassung Unterstützung durch ambulante
Dienste brauchen. Die Entlassung wird in Zusammenarbeit mit
Angehörigen, Hausärzten, ambulanten Diensten und
Rehabilitations-Einrichtungen sorgfältig vorbereitet.
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"Wir sehen in den Kranken in erster Linie die
Menschen, die leiden."
Dr. Johannes-Martin Hahn |
Die Geriatrie
Gerade im Bereich Geriatrie, der Altersmedizin,
ist der multidimensionale Ansatz von großer Bedeutung.
Die Gesundheit und die Selbstständigkeit der älteren
Personen sind oft durch akute und chronische Erkrankungen
eingeschränkt. „Typische Krankheitsbilder sind
Stürze, Inkontinenz, Verwirrung und Schlaganfälle",
erläutert Oberarzt Gottfried Kusch. „Häufig
betreuen wir alte und hochbetagte demenzkranke Menschen:
Hinter vielen dieser Einweisungen stecken auch Hilferufe
der Familien, die mit der Erkrankung nicht zurechtkommen.
Daher gehören zu unseren Aufgaben auch die Gespräche
mit den Angehörigen und die Überlegung, wie es
nun weitergehen kann."
Die Diagnostik bei älteren Kranken wird durch verschiedene
Tests ergänzt. „So schauen wir uns auch Alltagshandlungen
an, zum Beispiel wie jemand Geld zählt oder telefoniert",
erzählt Ergotherapeutin Angelika Stumpp.
Die individuelle Therapie wird entsprechend der Möglichkeiten
der Patienten durch Gruppenangebote ergänzt. Stumpp
berichtet: „So üben wir zum Beispiel bei der
Zubereitung kleiner Mahlzeiten in der Küchengruppe
spezielle Tätigkeiten und probieren gegebenenfalls
Hilfsmittel aus." In der Aktivierungsgruppe geht es
vor allem um Ge-
dächtnistraining und Förderung von Konzentration
und Orientierung. Beide Gruppen sollen Selbstvertrauen stärken
und zu Kontakten in der Gruppe ermutigen.
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Walter Schmidt übt am Rollator
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Ursachenforschung
In der Klinik wird auch den Ursachen einer Erkrankung nachgegangen.
Der 82-jährige Walter Schmidt (Name geändert)
ist seit vier Tagen wegen eines schweren nächtlichen
Sturzes in der Klinik. Oberarzt Dr. Kusch erzählt:
„Wir behandeln hier nicht nur die Schmerzen nach dem
Sturz, sondern versuchen die Ursachen des Sturzes herauszufinden
und wie man den Stürzen entgegenwirken kann."
Dienstagmorgen werden bei Walter Schmidt der Gleichgewichtssinn
und die Mobilität überprüft. Die Physiotherapeutin
lässt den Patienten als Teil der Tests aufstehen und
die Augen schließen. Dann wird mit dem Rollator als
Stütze geübt. Die Therapeutin erklärt: „Herr
Schmidt geht sehr unsicher und es wird ihm oft schwindelig.
Daher ist es wichtig, dass er auch nachts beim Toilettengang
den Rollator oder andere Hilfsmittel benutzt, um die Gefahr
eines Sturzes zu vermindern". Die Physiotherapie erstellt
ein individuelles Behandlungskonzept, das den Bedürfnissen
der Patienten und Patientinnen angepasst wird. Auch in Gruppen
wird trainiert. Walter Schmidt fühlt sich sehr gut
betreut und hofft, durch die Behandlung im Paul Lechler-Krankenhaus
wieder Sicherheit beim Gehen zu gewinnen und das Leben zu
Hause meistern zu können.
Ein entscheidendes Ziel
Dr. Hahn fasst ein entscheidendes Ziel des
„Tropi-Teams" zusammen: „Wir sehen in den
Kranken in erster Linie die Menschen, die leiden. In einem
ganz umfassenden Sinne wollen wir ihnen bei den Schritten
helfen, die vor ihnen liegen. Für die meisten ist es
die völlige Gesundung. Für wenige auch das Ende
ihres Lebens hier. Und dann wieder für recht viele
ein guter tragfähiger Neuanfang, möglichst in
der gewohnten Umgebung."
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Das Deutsche Institut für
Ärztliche Mission ist Fachstelle für weltweite
Gesundheitsarbeit, medizinisches Hilfswerk und Träger
der Tropenklinik-Paul Lechler-Kranken-haus. Das ärztliche
Team besteht aus neun Fachärzten und -ärztinnen
für Innere Medizin sowie vier für Allgemein-, Tropenmedizin
und Infektiologie. Im Krankenhaus gibt es ein modernes Labor
unter Leitung eines Facharztes für Mikrobiologie und
Infektionsepidemiologie. Ausführliche Informationen über
die Klinik im Internet unter www.tropenklinik.de
Die Patienten-broschüre kann per E-Mail
oder unter der Telefonnummer 07071/205514 bestellt werden.
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