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Pressespiegel

 

11.2004

 


Von Meike Joa

Über den Dächern von Tübingen liegt die Tropenklinik Paul-Lechler-Krankenhaus. Umgeben von einer Parkanlage empfängt die Klinik ihre Patientinnen und Patienten mit einem Eingangsbereich in warmen Farben. Das Mosaik „Der barmherzige Samariter" zeigt das Zentrum der Arbeit: den Dienst an Kranken.


Die Klinik, 1916 als Tropengenesungsheim für rückkehrende Missionarinnen und Missionare vom Träger Deutsches Institut für Ärztliche Mission (Difäm) gegründet, versteht sich heute als christliches Fachkrankenhaus für Tropen- und Reisemedizin, Innere Medizin, Geriatrie und Palliativmedizin. Kranke werden nicht nur medizinisch nach neuesten Standards versorgt, sondern auch auf das Leben nach dem Klinikaufenthalt vorbereitet.

Dem christlichen Leitbild verpflichtet

Die christliche Tradition des Krankenhauses ist auch heute von großer Bedeutung. Chefarzt Dr. med. Johannes-Martin Hahn erklärt: „Viele Mitarbeitende sehen sich dem christlichen Leitbild verpflichtet. Auch wenn die Rahmenbedingungen mit Einführung der Fallpauschalenabrechnung schwieriger geworden sind, spielt die Zuwendung zur Patientin und zum Patienten bei Arztinnen und Ärzten sowie Pflegenden eine wichtige Rolle. Dies spiegelt sich auch in der Pflegequalität wider. Unser Verständnis von Gesundheit und Krankheit schließt neben dem körperlichen Befinden auch psychische, soziale und religiöse Dimensionen mit ein."
Die Krankenhausseelsorge nimmt einen großen Stellenwert ein. Darüber hinaus bietet die Klinik allen im Haus die Möglichkeit der Teilnahme am sonntäglichen Gottesdienst und die Mitarbeitenden können, wenn sie möchten, den Tag gemeinsam mit einer ökumenischen Andacht beginnen.
In der tropenmedizinischen Abteilung des Paul Lechler-Krankenhauses werden jährlich mehr als 3000 Menschen betreut. Die Aufgabengebiete umfassen neben Untersuchungen vor und nach Auslandsaufenthalt die ambulante und stationäre Diagnostik und Therapie von Tropenkrankheiten sowie Impfungen und berufsgenossenschaftliche Anfragen.

Die Tropenambulanz

In der Tropenambulanz warten die Schneiders auf ihre Untersuchung. Mutter Ulrike berichtet: „Wir sind vor drei Wochen aus Indonesien zurückgekehrt, wo wir sieben Jahre gelebt haben. In der Klinik lassen wir uns jetzt durchchecken. Wir fühlen uns zwar gut, aber man weiß ja nie, ob man nicht doch eine versteckte Krankheit hat." Die fünfköpflge Familie ist bereits das dritte Mal hier. Auch vor der Ausreise und während eines Urlaubsaufenthaltes haben sie sich hier kompetent beraten und untersuchen lassen. Jetzt ist der 16-jährige Philipp an der Reihe. Tropenmediziner Dr. Johannes Schäfer nimmt bei Philipp Blut ab, der es tapfer über sich ergehen lässt. Zu einer Routineuntersuchung gehören neben der körperlichen Untersuchung auch Blut-, Stuhl-und Urinuntersuchungen und ein ausführliches Gespräch über die Arbeits- und Lebensumstände. Solche Routine-Check-ups machen etwa die Hälfte der Arbeit in dieser Abteilung aus.

Schäfer erklärt: „Häufige Beschwerden der Rückkehrenden aus tropischen Ländern sind Fieber-, Durchfall- und Hauterkrankungen. Sorgen bereitet uns nach wie vor die Malaria. Auch das Dengue-Fieber, eine durch Steckmücken übertragene Viruserkrankung, hat insgesamt an Bedeutung zugenommen. In den letzten Jahren ist es zu einer spürbaren Zunahme der Fälle gekommen."
Von Vorteil für die Diagnostik infektiöser Erkrankungen ist das hauseigene Labor. Dort können parasitologische, mikrobiologische und serologische Untersuchungen durchgerührt werden. Mikrobiologe Dr. Dr. Peter Döller weist darauf hin, dass eine frühe Diagnose besonders bei lebensbedrohlichen infektiösen Erkrankungen einschließlich Malaria sehr wichtig ist. „Täglich werden dem Hospital auch von Arztpraxen und Krankenhäusern Proben zur raschen Abklärung zugesandt."
Eine große Zahl von Reisenden lässt sich in der reisemedizinischen Ambulanz hinsichtlich Impfungen, Malariaprophylaxe und sonstigen Vorsorgemaßnahmen beraten. Gerade für Entwicklungshelfer, die demnächst ausreisen werden, ist die Tropenklinik erste Anlaufstelle. Viele verbinden den Besuch in der Tropenambulanz mit einer Beratung im Difäm, der Difäm-Arzneimittelhilfe oder mit einem Abstecher in den Difam-Leseraum.

Tapfer lässt Philipp sich von Dr. Johannes Schäfer Blut abnehmen
Die Innere Medizin

Alle wichtigen Methoden der stationären allgemeinen internistischen Versorgung sind in dem 101 Betten zählenden Hospital verfügbar. Chefarzt Johannes-Martin Hahn betont: „Uns liegt eine gute internistische Behandlung vor allem von Kranken in der zweiten Lebenshälfte am Herzen. Moderne Verfahren beispielsweise in der Ultraschalltechnik und Endoskopie gewährleisten eine best mögliche medizinische Diagnostik." Schwerpunkte der Inneren Medizin bilden die Diabetologie, Palliativmedizin und Geriatrie einschließlich der interdisziplinären rehabilitativen Behandlung von Schlagan-fallbetroffenen.
Die rüstige 92-jährige Erna Riecker (Name geändert) wird seit einigen Tagen in der Klinik von Oberarzt Dr. Heiner Glöser und seinem Team betreut. „Ich bin wegen Schmerzen im Kreuz und Bauch sowie Müdigkeit zu meinem Hausarzt gegangen", erzählt sie. Glöser erläutert: „Viele Patientinnen und Patienten werden von ihren Hausärzten wegen unklarer Abgeschlagenheit hierher geschickt, um sie durchuntersuchen zu lassen. Es kann zum Beispiel auf eine Herzerkrankung, Kreislauferkrankung, eine Schilddrüsenüberfunktion oder einen Tumor im Magen--Darm-Bereich hinweisen. „Bei Frau Riecker haben wir beginnenden Darmkrebs festgestellt, daher wird sie zur Entfernung des Tumors baldmöglichst in die Chirurgie verlegt."

Dr. Heiner Glöser untersucht die 92-jährige Erna Riecker

Das Isolierzimmer


Szenenwechsel: Dr. Glöser betritt mit Schutzkleidung, Mundschutz, Haube und Gummihandschuhen eines von drei Isolierzimmern der Klinik. Die 40-jährige Patientin wurde gestern mit hohem Fieber in die Klinik eingeliefert. Sie hat offene Lungentuberkulose, die sich durch Tröpfcheninfektion, zum Beispiel durch Husten, übertragen kann. Die Kranke ist ziemlich schwach und erhält Nährstoff-Infusionen und Tuberkulostatika: „Ich fühlte mich schon seit drei Wochen angeschlagen, aber erst als ich nicht mehr aufstehen konnte, ging ich zum Arzt, der mich kurze Zeit später ins Krankenhaus einwies. Bei der Röntgenuntersuchung wurde TB festgestellt." Glöser: „Die Patientin ist noch in der ansteckenden Phase und muss deshalb noch mindestens zwei Wochen isoliert werden."
Dr. Johannes-Martin Hahn betont, wie wichtig die ganzheitliche Behandlung der Kranken ist. Daher erfolgt die Betreuung durch ein interdisziplinäres therapeutisches Team aus Fachkräften aus ärztlichem Dienst, der Krankenpflege, Physio- und Ergotherapie, Logopädie, Seelsorge sowie dem Sozial- und Psychologischen Dienst. Das Team trifft sich wöchentlich und ermöglicht eine umfassende Zuwendung, die die Auswirkungen der Erkrankung und die Funktionseinschränkungen auf alle Bereiche des Lebens berücksichtigt. Hier wird intensiv besprochen, was die beste Behandlung für die Kranken ist, ob sie Ergo- und Physiotherapie oder psychologische Betreuung oder nach der Entlassung Unterstützung durch ambulante Dienste brauchen. Die Entlassung wird in Zusammenarbeit mit Angehörigen, Hausärzten, ambulanten Diensten und Rehabilitations-Einrichtungen sorgfältig vorbereitet.

"Wir sehen in den Kranken in erster Linie die Menschen, die leiden."
Dr. Johannes-Martin Hahn

Die Geriatrie

Gerade im Bereich Geriatrie, der Altersmedizin, ist der multidimensionale Ansatz von großer Bedeutung. Die Gesundheit und die Selbstständigkeit der älteren Personen sind oft durch akute und chronische Erkrankungen eingeschränkt. „Typische Krankheitsbilder sind Stürze, Inkontinenz, Verwirrung und Schlaganfälle", erläutert Oberarzt Gottfried Kusch. „Häufig betreuen wir alte und hochbetagte demenzkranke Menschen:
Hinter vielen dieser Einweisungen stecken auch Hilferufe der Familien, die mit der Erkrankung nicht zurechtkommen. Daher gehören zu unseren Aufgaben auch die Gespräche mit den Angehörigen und die Überlegung, wie es nun weitergehen kann."
Die Diagnostik bei älteren Kranken wird durch verschiedene Tests ergänzt. „So schauen wir uns auch Alltagshandlungen an, zum Beispiel wie jemand Geld zählt oder telefoniert", erzählt Ergotherapeutin Angelika Stumpp.
Die individuelle Therapie wird entsprechend der Möglichkeiten der Patienten durch Gruppenangebote ergänzt. Stumpp berichtet: „So üben wir zum Beispiel bei der Zubereitung kleiner Mahlzeiten in der Küchengruppe spezielle Tätigkeiten und probieren gegebenenfalls Hilfsmittel aus." In der Aktivierungsgruppe geht es vor allem um Ge-
dächtnistraining und Förderung von Konzentration und Orientierung. Beide Gruppen sollen Selbstvertrauen stärken und zu Kontakten in der Gruppe ermutigen.


Walter Schmidt übt am Rollator

Ursachenforschung

In der Klinik wird auch den Ursachen einer Erkrankung nachgegangen. Der 82-jährige Walter Schmidt (Name geändert) ist seit vier Tagen wegen eines schweren nächtlichen Sturzes in der Klinik. Oberarzt Dr. Kusch erzählt: „Wir behandeln hier nicht nur die Schmerzen nach dem Sturz, sondern versuchen die Ursachen des Sturzes herauszufinden und wie man den Stürzen entgegenwirken kann."
Dienstagmorgen werden bei Walter Schmidt der Gleichgewichtssinn und die Mobilität überprüft. Die Physiotherapeutin lässt den Patienten als Teil der Tests aufstehen und die Augen schließen. Dann wird mit dem Rollator als Stütze geübt. Die Therapeutin erklärt: „Herr Schmidt geht sehr unsicher und es wird ihm oft schwindelig. Daher ist es wichtig, dass er auch nachts beim Toilettengang den Rollator oder andere Hilfsmittel benutzt, um die Gefahr eines Sturzes zu vermindern". Die Physiotherapie erstellt ein individuelles Behandlungskonzept, das den Bedürfnissen der Patienten und Patientinnen angepasst wird. Auch in Gruppen wird trainiert. Walter Schmidt fühlt sich sehr gut betreut und hofft, durch die Behandlung im Paul Lechler-Krankenhaus wieder Sicherheit beim Gehen zu gewinnen und das Leben zu Hause meistern zu können.

Ein entscheidendes Ziel

Dr. Hahn fasst ein entscheidendes Ziel des „Tropi-Teams" zusammen: „Wir sehen in den Kranken in erster Linie die Menschen, die leiden. In einem ganz umfassenden Sinne wollen wir ihnen bei den Schritten helfen, die vor ihnen liegen. Für die meisten ist es die völlige Gesundung. Für wenige auch das Ende ihres Lebens hier. Und dann wieder für recht viele ein guter tragfähiger Neuanfang, möglichst in der gewohnten Umgebung."

Das Deutsche Institut für Ärztliche Mission ist Fachstelle für weltweite Gesundheitsarbeit, medizinisches Hilfswerk und Träger der Tropenklinik-Paul Lechler-Kranken-haus. Das ärztliche Team besteht aus neun Fachärzten und -ärztinnen für Innere Medizin sowie vier für Allgemein-, Tropenmedizin und Infektiologie. Im Krankenhaus gibt es ein modernes Labor unter Leitung eines Facharztes für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie. Ausführliche Informationen über die Klinik im Internet unter www.tropenklinik.de Die Patienten-broschüre kann per E-Mail oder unter der Telefonnummer 07071/205514 bestellt werden.

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